„Wir haben uns in der Vergangenheit oft genug in Trais schwergetan“, warnte Paulo Pillekamp mit Blick auf das Spiel am Traiser Wäldchen. Eigentlich bot das Auswärtsspiel keinen Grund zur Unruhe oder Besorgnis. Doch dann sorgte die SGO selbst dafür, dass die Warnung des Mannes, der für die entscheidenden Szenen aus Oppershofener Sicht sorgen sollte, ihre Berechtigung hatte.
Ohne Mike Schmidt, Rodney Mbazira und Gernot Matz, dafür wieder mit Capitano Leon Demann, startete die SGO ins Auswärtsspiel beim Traiser FC II. Und lange dauerte es nicht, bis die Gäste aus Oppershofen die erste Chance verzeichnen konnten. Wenige Sekunden waren zu diesem Zeitpunkt erst gespielt.

Von Beginn an war die SGO die tonangebende Mannschaft. Dies führte zwangsläufig zu Chancen in der Anfangsphase. Eine Kombination über die rechte Seite, ausgehend von Lukas Lottig, gelangte über Omid zu Hamid, der in den Strafraum zog und mit links abschloss. Ein Abwehrbein fälschte den Ball noch leicht ab, sodass der Ball hauchzart am Pfosten vorbei ins Toraus fiel. „Es wird entscheidend sein, dass wir unsere Chancen konsequent nutzen“, sagte Paulo Pillekamp im Vorfeld der Partie und ließ diesen Worten nach zehn Minuten bereits höchstpersönlich Taten folgen. Nach einem Einwurf von links stieg er zum Kopfball hoch, wurde jedoch von einem Verteidiger geblockt. Im zweiten Versuch kratzte der Torhüter den Pillekamp-Kopfball mit den Fingerspitzen von der Linie gegen den Innenpfosten, doch im Nachsetzen war der Linksfuß zur Stelle und drückte den Ball aus kürzester Distanz über die Linie.
Keine vier Minuten später machte Paulo Pillekamp seiner Rückennummer, der Nr. 9, alle Ehre. Wieder kurbelte die spielstarke rechte Offensivseite der SGO um Lukas Lottig an. Zwar wehrten die Traiser zunächst ab, doch setzten Hamid und Omid energisch nach und eroberten den Ball direkt zurück. Eine punktgenaue Flanke von Omid verwertete Paulo Pillekamp anschließend in Mittelstürmermarnier mit Übersicht und Gefühl per Kopf ins lange Eck.

Mit der komfortablen frühen Führung und der deutlichen spielerischen Überlegenheit schaltete die SGO bereits früh im Spiel merklich zurück. Das hatte zur Konsequenz, dass der letzte Druck verloren ging. Zu oft geriet der finale Pass zu lang oder zu ungenau. An der Feldüberlegenheit und den Ballbesitzvorteilen änderte sich indes nichts. Allerdings plätscherte das Spiel nun eine gute viertel Stunde vor sich hin. Einzige Ausnahme, als sich Eric Meyer links im Strafraum durchsetzte, mit seinem Abschluss jedoch hängen blieb.
Die Oppershofener Defensive war in ihrer Kernaufgabe bis dato beschäftigungslos. Und doch war die Zweitvertretung des Traiser FC plötzlich zurück im Spiel. Als Marcel Hebich einen Abschlag ausführen wollte, blockte ein Traiser diesen. Im Nachsetzen war der Stürmer vorm SGO-Schlussmann am Ball und halbierte den Rückstand überraschend auf 1:2.

Obwohl eigentlich keine weitere Gefahr drohte, zeigte der Treffer Wirkung beim Team von Jürgen Bellersheim. Doch wäre um ein Haar der alte Abstand wiederhergestellt gewesen. Nach einem Eckball von Fynn Schnitzler rauschte Nick Bayer am kurzen Pfosten heran, traf mit seinem Kopfball aber lediglich die Latte. Die Hausherren kam nur noch einmal in die Nähe des Oppershofener Gehäuses, als die Blau-Weißen zu weit aufgerückt waren und sich plötzlich in Unterzahl befanden. Der Traiser Abschluss verfehlte jedoch sein Ziel. Es ging also mit der knappen Führung in die Halbzeit.

Rote Karte, geschwommen, gefangen, getroffen
In der Pausenansprache justierte Jürgen Bellersheim bei seinen Mannen nochmals nach, die dadurch den zweiten Durchgang wieder konzentrierter angingen. Leon Demann schickte Doppelpacker Paulo Pillekamp auf dem linken Flügel. Seine Hereingabe von der Grundlinie brachte Hamid aufs Tor, den Traiser Torsteher damit jedoch nicht allzu sehr in die Bredouille. Nach zehn Minuten waren die Vorsätze aus der Halbzeitansprache dann bereits wieder über den Haufen geworfen. Im Anschluss an einen abgewehrten Oppershofener Eckstoß versprang Omid der Ball an der Mittellinie leicht, sodass er beim Klärungsversuch den nachsetzenden Angreifer der Hausherren traf. Der Schiedsrichter wertete dies als Notbremse. Eine harte, aber vertretbare Entscheidung. Angesichts der bis dato äußerst großzügigen Linie des Schiedsrichters in puncto Zweikampfbewertung und Sanktionierung jedoch eine Entscheidung, die aus Gästesicht nicht gänzlich in Relation zum bisher vom Unparteiischen angewandten Strafmaß stand.
Die Schiedsrichterentscheidung stand und die SGO musste die letzten 35 Minuten plus Nachspielzeit in Unterzahl verbringen. Unmittelbar nach dem Feldverweis waren die Blau-Weißen zunächst von der Rolle. Ein zu kurzer Abstoß kam postwendend zurück. Einen 20-Meter-Schuss parierte Marcel Hebich jedoch stark. Den darauffolgenden und immer länger werdenden Eckball lenkte er über den Querbalken. Auch die folgende Ecke beschwor Gefahr herauf. Die Kopfballbogenlampe über Marcel Hebich klärte Paulo Pillekamp per Kopf vor der Linie. Wiederum nur wenige Minuten später kamen die Geißböcke nach zögerlichem Abwehrverhalten der Gänsbergelf frei zum Abschluss, fanden ihren Meister aber erneut in Hebich.
Langsam aber sicher kehrte wieder Ruhe im Oppershofener Spiel ein. Auch, weil die SGO tiefer stand und den Gastgebern nach dieser kurzen Druckphase das Spiel überließ. Der A-Liga-Reserve fiel außer langen Bällen jedoch nichts ein.
So neigte sich das Spiel allmählich dem Ende entgegen. Zehn Minuten vor Schluss brachte Paulo Pillekamp einen Freistoß in Strafraumnähe gefühlvoll in den 16er. Hamid behauptete den Ball, Nick Bayer setzte nach und sich gegen zwei Gegenspieler durch. Frei vor dem Torwart schob er überlegt zum vorentscheidenden 3:1 ein und belohnte sich, als unermüdlich rackernder Vorkämpfer für seit Wochen starke und bissige Leistungen.
Beinahe hätte die SGO in der Nachspielzeit sogar noch erhöht. Der für Eric Meyer eingewechselte Sebastian Graubert, der am Samstag erst seine Rückkehr in der Zweiten Mannschaft gefeiert hatte, bediente nach Zusammenspiel mit Fynn Schnitzler auf der rechten Seite Lukas Lottig. Nach dessen flachen Querpass blockte die Traiser Defensive Hamids Versuch. Sebastian Grauberts Nachschuss wehrte der herausstürzende Keeper jedoch stark ab. Somit blieb es trotz kurzer Wackler und langer Unterzahl beim unter dem Strich verdienten Auswärtssieg der SGO. Durch die überraschende Niederlage der Spvgg. 08 Bad Nauheim bei der SG Hoch-Weisel/Ostheim II schob sich die SGO vorübergehend auf Platz 2. In der nächsten Woche ist das Team von Jürgen Bellersheim spielfrei.
Bilder: SGO
