Dreiminütiger Blackout kostet zwei Punkte

Viel hatte sich die SG Oppershofen für das Heimspiel gegen den SV Schwalheim vorgenommen. Einiges davon konnte man phasenweise auch umsetzen. Trotz Überlegenheit sah man sich durch einen Doppelschlag in der Nachspielzeit der ersten Hälfte im Hintertreffen. Erst kurz vor Schluss konnte zumindest ein Zähler unter Dach und Fach gebracht werden. Auch, weil der Kapitän tat, was ein Kapitän tut. Das Spiel der Zweiten Mannschaft wurde am Vortag bereits wegen der anhaltenden Regenfälle abgesagt.

Ohne die beiden Langzeitverletzten Mike Schmidt und Rodney Mbazira sowie Nick Bayer ging die SGO ins Duell mit den Germanen aus dem Bad Nauheimer Stadtteil. Doch auch die Gäste sahen sich mit einigen personellen Sorgen konfrontiert und mussten ebenfalls wichtige Leistungsträger ersetzen. Der SGO war von Beginn an anzumerken, dass man sich im Vergleich zu den Leistungen der Vorwochen deutlich steigern wollte. So präsentierten sich die Gastgeber vom Anpfiff weg tonangebend. Den gesamten ersten Abschnitt wies die SGO ein deutliches Plus an Ballbesitz auf. Das Spielgeschehen lief überwiegend in der Hälfte der Besucher ab. Zwar kam das Team von Jürgen Bellersheim auch zu Abschlüssen durch Hamid und Omid Mirzayi sowie Eric Meyer, doch fehlte bei aller Überlegenheit häufig die letzte Konsequenz, sich in aussichtsreiche Abschlusspositionen zu bringen. Nach einer halben Stunde musste der bis dato starke Fynn Schnitzler das Feld verlassen. Ihn ersetzte Lucas Link. Defensiv stand die SGO hingegen äußerst stabil und ließ nichts zu. Bis zu dem Zeitpunkt, als der Schiedsrichter die fünfminütige Nachspielzeit anzeigte.

Gedanklich schon in der Kabine

Ein ungenauer Pass im Aufbauspiel kam postwendend zurück und rutschte im Zweikampf an Leon Demann vorbei. Der Gästeangreifer strebte allein dem SGO-Gehäuse entgegen, scheiterte jedoch an einem starken Reflex von Marcel Hebich. Da die Oppershofener Defensive in dieser Situation bereits abgeschaltet hatte, war niemand mehr da, um einen nachrückenden Schwalheimer Stürmer zu stören, sodass dieser zur unerwarteten Führung einschob. Es sollte ein Treffer ins Mark der Hausherren sein, was die hängenden Köpfe der Spieler in blau unterstrichen. Nur etwas mehr als eine Zeigerumdrehung später zeigte man sich im Zweikampfverhalten zu zögerlich, verpasste es zweimal den Ball an der Strafraumgrenze zu klären und verlor einen Gästespieler gänzlich aus den Augen. Dieser sah sich nach einer simplen Ablage seines Sturmkollegen, der sich mit dem Rücken zum Tor befand, ganz frei vor Marcel Hebich und verdoppelte die Führung sogar noch vor dem Halbzeitpfiff. Ähnlich einem taumelnden Boxer schleppte sich die SGO der Pause entgegen, musste dabei jedoch noch einen weiteren Schwalheimer Angriff überstehen, ehe der Schiedsrichter den ersten Abschnitt beendete.

Reaktion gefordert und gezeigt

Die Gänsbergelf hatte sich offensichtlich in der Pause einiges vorgenommen und schien entschlossen, das Spiel noch zu drehen. Wie die Feuerwehr kamen die Bellersheim-Mannen aus der Kabine. Es dauerte nur etwas mehr als eine Minute, ehe Jordan Häuser über die linke Seite ankurbelte und Hamid Mirzayi anspielte. Dieser ließ den Ball gedankenschnell mit dem ersten Kontakt in den Lauf von Eric Meyer prallen und setzte den Oppershofener Torjäger damit perfekt in Szene. Zwar parierte Schwalheims Schlussmann den Abschluss, doch stand Hamid goldrichtig und schob ein.

Keine Zeit zu verlieren nach dem 1:2-Anschlusstreffer – Hamid Mirzayi.

Der Treffer zum 1:2 gab der SGO weiteren Auftrieb. Keine drei Minuten später kamen die Gastgeber über die linke Seite erneut gefährlich in den Strafraum. Wieder wurde der erste Abschluss pariert, doch startete der schnelle Lukas Lottig durch und staubte zum 2:2 ab. Dann jedoch schaltete sich der Schiedsrichter ein und verweigerte dem Treffer die Anerkennung, da er eine Abseitsstellung erkannt haben wollte. Nach einer guten Viertelstunde in Halbzeit zwei ebbte der Oppershofener Schwung etwas ab. Die SGO hatte weiterhin mehr Ballbesitz, aber keine zündenden Ideen. Beinahe wäre der Rückstand wieder auf zwei Tore angewachsen. Als sich die Schwalheimer etwas weiter nach vorne wagten und die SGO im Spielaufbau frühzeitig störten, geriet ein Querpass von Dennis Bellersheim zu Marcel Hebich zu ungenau. Unter starker Bedrängnis wehrte der Oppershofener Torhüter ab. Der zweite Ball landete allerdings ebenfalls beim SV. Die Direktabnahme segelte in Richtung des verwaisten SGO-Tors, doch flog plötzlich Leon Demann in die Schussbahn und verhinderte das dritte Gegentor. Im Anschluss an eine Schwalheimer Standardsituation ließ Marcel Hebich bei einer Abwehraktion den Ball fallen. Auch hier war Leon Demann am handlungsschnellsten und klärte in höchster Not. Allmählich verlagerte die SGO das Spiel wieder vor das Schwalheimer Gehäuse. Die leidenschaftlich verteidigenden Gäste, deren Kräfte zusehends schwanden, schafften es jedoch, sich immer wieder in die Abschlüsse zu werfen und Schüsse zu blocken. Zwei Minuten waren noch auf der Uhr, als der aufgerückte Dennis Bellersheim einen weiten Ball im Germanen-Strafraum erlief, dann jedoch zu Fall gebracht wurde. Da sich mehrere Akteure in blau fragend ansahen, ging Capitano Leon Demann voran und übernahm die Verantwortung vom Punkt. Mit seinem präzisen Abschluss krönte er seine starke Leistung und glich zum 2:2 aus. Noch war Zeit, das Spiel gänzlich zu drehen. Die SGO versuchte es in der Nachspielzeit noch mehrmals, aber auch Schwalheim suchte den Lucky Punch. Gelingen, sollte er keinem der beiden Teams, sodass es am Ende beim 2:2 blieb.

Verantwortung in der Crunch Time übernommen – Leon Demann.

Sechs gelbe Karten im gesamten Spiel mögen viel klingen, jedoch war es zu keinem Zeitpunkt eine überharte oder unfaire Auseinandersetzung zwischen zwei, mittlerweile fast schon befreundeten Teams, die sich in den letzten Jahren als Tabellennachbarn immer wieder intensive Duelle auf Augenhöhe lieferten und fast durchgängig in denselben Ligen an den Start gingen.

„In diesem Spiel wäre mehr drin gewesen.“ – Jürgen Bellersheim

„In diesem Spiel wäre mehr drin gewesen. Zwar ist es gut, dass wir einen Zwei-Tore-Rückstand aufgeholt haben, aber wirklich zufrieden kann ich heute nicht sein“, äußerte SGO-Coach Jürgen Bellersheim. Ähnlich sah es der an diesem Tag stärkste Akteur, Leon Demann: „Es war deutlich mehr drin. Aber die Reaktion nach den späten Toren in der Nachspielzeit der ersten Hälfte war gut und vor allem im Hinblick auf die Leistung letzte Woche wichtig.“

Bilder: SGO