Die Warnzeichen waren im Vorfeld da. Darauf wies unter anderem Abwehrchef Dennis Bellersheim hin. Zum Beispiel hatte man das Hinspiel der Vorsaison noch im Gedächtnis. Außerdem wollte man auf die Tabellenposition des Gegners nach zwei Spieltagen nichts geben. Weshalb man dann jedoch in den ersten 45 Minuten am Sonntagmittag viele schuldig blieb, ist fraglich.
Beim Gastspiel auf dem Friedberger Burgfeld kehrte Marcel Hebich zwischen die Pfosten zurück. Weiterhin nicht zur Verfügung stand Paulo Pillekamp. Auf die Ausfallliste gesellten sich zudem Capitano Leon Demann und Nick Bayer. Der angeschlagene Lukas Lottig konnte hingegen auflaufen.
„Man sollte das 1:1 aus dem Hinspiel der letzten Saison im Hinterkopf haben und den Gegner aufgrund der Tabellenposition nicht unterschätzen“, warnte Dennis Bellersheim unter der Woche. Gehört wurden diese Worte offensichtlich nicht. Auf dem ungeliebten Kunstrasen taten sich die Blau-Weißen lange schwer ins Spiel zu kommen. Die Hausherren hingegen gingen von Anpfiff weg engagiert zu Werke und konnten dabei nun auch wieder einen stärkeren Kader als noch in den ersten beiden Saisonspielen zurückgreifen. Immer wieder schlichen sich in der Anfangsphase Ungenauigkeiten im Oppershofener Aufbauspiel ein. Eine davon führte nach sieben Minuten zur ersten Chance des Spiels. Nach einem Ballverlust in der Gästehälfte schaltete die A-Liga-Reserve schnell um. Mit einer starken Parade verhinderte Marcel Hebich den frühen Gegentreffer. Keine Zeigerumdrehung später lag der Ball aber doch im SGO-Tor. Die Gastgeber setzten sich über ihre linke Angriffsseite durch und gingen durch einen Abschluss aus spitzem Winkel in Führung. Zum ersten Mal in dieser Saison lag die SGO damit in Rückstand. Der frühe Gegentreffer trug selbstredend nicht dazu bei, dass das Team von Jürgen Bellersheim nun besser ins Spiel fand. So dauerte es 20 Minuten, bis die SGO allmählich in der Partie ankam. Gernot Matz hatte auf Vorarbeit von Fynn Schnitzler den ersten Abschluss, der jedoch kein Problem für den Friedberger Schlussmann darstellte. Neues Ungemach drohte auf der Gegenseite. Ein Konter des VfB konnte auf Kosten eines Eckballs geklärt werden. Bei der anschließenden Hereingabe führte ein Missverständnis zwischen Marcel Hebich und Jordan Häuser dazu, dass der Ball unfreiwillig in die Mitte verlängert wurde, wo ein Friedberger die Kugel aus kürzester Distanz über die Linie bugsierte.
Friedberg schwächt sich selbst
Spätestens das zweite Gegentor dürfte auch dem Letzten auf Gästeseite klar gemacht haben, dass sich langsam aber sicher etwas im eigenen Auftritt ändern musste. Hamid Mirzayi, Doppeltorschütze in der Vorwoche gegen Wölfersheim, war es, der sich auf der rechten Seite durchsetzte und den Ball fast von der Außenlinie hereinbrachte. Irgendwie rutschte das Leder durch und prallte gegen den Innenpfosten, ehe die Situation bereinigt werden konnte. Eine Freistoßvariante über Mike Schmidt fand im Strafraum wieder Hamid Mirzayi als Abnehmer. Dessen Versuch entschärft der Friedberger Torwächter jedoch stark. Das Spiel der SGO wirkte nun zielstrebiger als zu Beginn. Wenige Minuten vor der Pause sorgten dann aber die Hausherren selbst für die endgültige Wende im Spiel. Vor Ausführung eines Oppershofener Freistoßes schickte der aufmerksame Schiedsrichter einen VfB-Verteidiger nach einer Tätlichkeit mit Rot zum Duschen. Die letzten Minuten bis zur Pause verstrichen ohne Höhepunkte, allerdings agierte die SGO fortan in Überzahl.
Marschroute klar
Mit Beginn des zweiten Abschnitts wurde direkt deutlich, dass sich das Team von Jürgen Bellersheim in der Kabine einiges für die zweiten 45 Minuten vorgenommen hatte. Für Schwung sollten nun Eric Meier und Omid Mirzayi sorgen. Die Gastgeber zogen sich in Unterzahl in die eigene Hälfte zurück und machten das ohnehin kleine Kunstrasenfeld noch enger. Das Geschehen spielte sich fast ausschließlich in der Friedberger Hälfte ab. Auch, wenn den Oppershofenern zunächst die zündende Idee fehlte, wurde schon bald deutlich, dass es eigentlich nur noch eine Frage der Zeit sein konnte, bis der Anschlusstreffer fiel.
Die erste gute Möglichkeit bot sich dem an diesem Tag im Abschluss glücklosen Hamid Mirzayi. Nach einer Ecke legte Dennis Bellersheim per Kopf ab, der SGO-Stürmer geriet allerdings etwas in Rücklage und beförderte die Kugel über das Tor. Im Anschluss an einen Freistoß kam Mike Schmidt zum Schuss, traf den Ball allerdings nicht voll, sodass der Keeper der Kreisstädter erneut die Oberhand behielt. Erste und fast einzige der nun äußerst seltenen Friedberger Offensivaktionen war ein Kopfball nach einer Ecke, der jedoch sein Ziel verfehlte.
Der Druck nimmt zu
Nach etwas mehr als einer Stunde wurden die engagierten Oppershofener Bemühungen schließlich belohnt. Mit feinem Steckpass bediente Gernot Matz Eric Meier, der alleine vor dem Torwart cool blieb und sicher einschob. Ab jetzt kannte das Spiel nur noch eine Richtung. Die Blau-Weißen drängten auf den Ausgleich. Der Ball lief nun deutlich besser und man fand immer häufiger Lücken im Abwehrverbund, dessen Schritte merklich kürzer wurden. Immer wieder gab es nun allerdings auch Unterbrechungen, da Akteure der Hausherren für Behandlungen auf dem Boden lagen. Die SGO spielte trotzdem weiter auf den Ausgleich. Nach einer Kombination vor dem 16er fand Hamid Mirzayi Fynn Schnitzler. Dessen strammer Abschluss strich allerdings Zentimeter über den Torwinkel. Kurz darauf bereits die nächste Chance: Über Omid Mirzayi, Mike Schmidt und Fynn Schnitzler kam der Ball zu Eric Meier. Aber auch dessen Schuss begrub der Torhüter mit einer starken Parade unter sich. So dauerte es bis zur 83. Minute, ehe Rodney Mbazira über den linken Flügel durchbrach, energisch in den Strafraum stürmte und dann schließlich uneigennützig in die Mitte gab. Der agile Eric Meier, dessen Einwechslung sich äußerst belebend auf das Oppershofener Angriffsspiel auswirkte, musste nur noch den Fuß hinhalten und drückte den Ball zum mittlerweile überfälligen Ausgleich über die Linie. Der Lucky Punch sollte allerdings nicht mehr gelingen. Zum einen gab es auf Grund ständiger Behandlungspausen nur noch wenig Spielfluss, zum anderen fehlte die zündende Idee.
Die SGO verpasste es damit, ihrem Trainer ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk zu bescheren und muss sich angesichts der schwachen Leistung in den ersten 45 Minuten auf Ursachenforschung begeben. Am nächsten Sonntag kommt es zum ersten Aufeinandertreffen mit einem Topteam. Dann wird A-Liga-Absteiger Spvgg. 08 Bad Nauheim auf dem Gänsberg vorstellig. Mit einer ersten Halbzeit wie heute in Friedberg dürfte es dort nichts zu holen geben. Denn nicht immer wird man eine Hälfte in Überzahl agieren und einen Zwei-Tore-Rückstand noch aufholen können.

Bild: SGO
